Wärmepumpe
Wärmepumpe im Altbau: worauf es wirklich ankommt
Eine Wärmepumpe funktioniert in einem Altbau, wenn das Gebäude an einem kalten Tag mit einer Vorlauftemperatur von etwa 55 Grad oder weniger warm wird. Das lässt sich mit der vorhandenen Heizung testen, bevor irgendetwas gekauft wird: Vorlauftemperatur schrittweise absenken und beobachten, ob alle Räume die gewünschte Temperatur erreichen. Das Baujahr allein sagt wenig aus.
Der Test, den jeder selbst machen kann
Die meisten Heizungsregler erlauben es, die Vorlauftemperatur oder die Heizkurve zu verstellen. Senken Sie den Wert an einem kalten Tag schrittweise ab, etwa von 70 auf 60 und dann auf 55 Grad, und lassen Sie jede Stufe mindestens einen Tag laufen.
Wird das Haus bei 55 Grad noch überall warm, ist es für eine Wärmepumpe geeignet. Bleiben einzelne Räume kühl, notieren Sie welche. Das ist die wichtigste Information für die spätere Planung, denn meist reicht der Tausch genau dieser Heizkörper.
Der Test kostet nichts und ist aussagekräftiger als jede Tabelle nach Baujahr.
Warum alte Häuser oft besser abschneiden als erwartet
Gründerzeit- und Vorkriegsbauten haben häufig massive Außenwände, hohe Räume und großzügig dimensionierte Heizkörper. Große Heizflächen sind für eine Wärmepumpe günstig, weil sie dieselbe Wärmemenge bei niedrigerer Vorlauftemperatur abgeben.
Schwieriger sind oft Gebäude der fünfziger bis siebziger Jahre: mäßig gedämmt, aber mit knapp bemessenen Heizkörpern, weil damals mit hohen Vorlauftemperaturen gerechnet wurde. Genau dieser Bestand prägt viele Siedlungsquartiere im Rhein-Erft-Kreis.
Heizkörper tauschen statt Fassade dämmen
Wenn einzelne Räume bei abgesenkter Vorlauftemperatur nicht warm werden, ist der Tausch dieser Heizkörper fast immer der günstigere Weg als eine Maßnahme an der Gebäudehülle.
Ein größerer Heizkörper oder ein Niedertemperaturheizkörper mit Gebläse gibt bei 45 bis 50 Grad dieselbe Leistung ab wie der alte bei 70 Grad. Das betrifft meist nur zwei bis vier Räume im Haus, nicht alle.
Eine Fassadendämmung ist dagegen eine Investition in einer anderen Größenordnung. Sie ist sinnvoll, wenn sie ohnehin ansteht, aber sie ist keine Voraussetzung für eine Wärmepumpe.
Die Heizlast gehört berechnet, nicht geschätzt
Eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe taktet, also schaltet sie häufig ein und aus. Das senkt die Effizienz und verkürzt die Lebensdauer des Verdichters. Zu klein ausgelegt heißt, dass der elektrische Heizstab an kalten Tagen mitläuft und der Stromverbrauch steigt.
Deshalb wird die Heizlast aus dem tatsächlichen Verbrauch und den Bauteilen abgeleitet, nicht nach Wohnfläche geschätzt. Der bisherige Gas- oder Ölverbrauch der letzten drei Jahre ist dafür die beste Grundlage, die es gibt.
Der Aufstellort und der Schall
Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe steht die Außeneinheit im Freien. Maßgeblich sind der Grenzabstand nach der Landesbauordnung und die Schallwerte der TA Lärm, insbesondere der strengere Nachtwert am nächstgelegenen schutzbedürftigen Fenster.
In dichter Reihenhausbebauung ist das der begrenzende Faktor, nicht die Technik. Wir rechnen den geplanten Aufstellort vor der Montage durch und weichen auf ein leiseres Gerät, einen anderen Standort oder eine Schallschutzmaßnahme aus, wenn der Wert sonst nicht eingehalten wird.
Was wir vor dem Angebot prüfen
Diese Punkte stehen bei uns vor der Geräteauswahl, nicht danach.
- Heizlast, abgeleitet aus Verbrauch und Bauteilen
- Heizflächen Raum für Raum und die dafür nötige Vorlauftemperatur
- Zustand von Fenstern, Dach, oberster Geschossdecke und Kellerdecke
- Aufstellort mit Grenzabstand und Schallprognose
- Zählerschrank und Hausanschluss, weil die Wärmepumpe zusätzliche Leistung zieht
- Ob eine gleichzeitig geplante Photovoltaikanlage auf den neuen Verbrauch ausgelegt werden sollte
Quellen
Gesetzeslage, Förderbedingungen und Vergütungssätze ändern sich. Maßgeblich sind die Veröffentlichungen der zuständigen Stellen zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung.