Stromspeicher
Wie groß sollte ein Stromspeicher sein?
Als grober Startwert gilt rund eine Kilowattstunde Speicher je 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Bei 4.500 Kilowattstunden Verbrauch landet man damit bei etwa 4 bis 5 Kilowattstunden. Entscheidend ist aber nicht der Jahresverbrauch, sondern wie viel davon abends und nachts anfällt. Ein Haushalt, der tagsüber leer ist, braucht mehr Speicher als einer mit Homeoffice, bei gleichem Jahresverbrauch.
Warum die Faustformel allein nicht reicht
Ein Speicher nützt nur so viel, wie er tatsächlich geladen und wieder entladen wird. Ein Speicher, der an 200 Tagen im Jahr nur zur Hälfte gefüllt wird, kostet genauso viel wie einer, der voll durchläuft, bringt aber deutlich weniger.
Die Faustformel berücksichtigt nur den Jahresverbrauch. Sie sagt nichts darüber, wann dieser Verbrauch anfällt, wie groß die Anlage ist und wie das Dach ausgerichtet ist. Genau das entscheidet aber über die sinnvolle Größe.
Die vier Größen, auf die es ankommt
Für eine belastbare Auslegung brauchen wir diese vier Angaben.
- Jahresverbrauch aus der letzten Abrechnung, nicht geschätzt.
- Verbrauchsprofil: Wie viel Strom fällt zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang an? Bei einem Haushalt, der tagsüber leer ist, sind das leicht zwei Drittel.
- Anlagengröße und Ausrichtung: Eine Ost-West-Anlage liefert flacher über den Tag verteilt und lädt den Speicher langsamer, dafür gleichmäßiger.
- Geplante Zusatzverbraucher: Wärmepumpe und E-Auto verändern das Profil grundlegend und gehören in die Rechnung, bevor der Speicher bestellt wird.
Wann ein Speicher zu groß gekauft wird
Zu groß gekauft wird meistens aus einem von drei Gründen: weil die Faustformel auf den vollen Jahresverbrauch angewendet wurde statt auf den Nachtanteil, weil im Winter derselbe Autarkiegrad erreicht werden soll wie im Sommer, oder weil ein Paketpreis den Speicher scheinbar günstig mitliefert.
Der Winter ist dabei der teuerste Irrtum. An einem trüben Dezembertag erzeugt eine Anlage einen Bruchteil des Sommerertrags. Ein größerer Speicher ändert daran nichts, weil schlicht nichts da ist, was hineinpasst. Wer im Winter autark sein möchte, braucht keinen größeren Speicher, sondern eine andere Wärmequelle.
Wann sich ein Speicher lohnt
Die Rechnung ist einfacher, als sie oft dargestellt wird. Eine Kilowattstunde, die durch den Speicher im Haus bleibt statt eingespeist zu werden, ist die Differenz zwischen Ihrem Arbeitspreis und der Einspeisevergütung von derzeit 7,70 Cent wert.
Multipliziert mit der Zahl der Zyklen über die Lebensdauer ergibt das den Gegenwert des Speichers. Liegt der deutlich über dem Anschaffungspreis, lohnt er sich. Liegt er darunter, ist das Geld in einer größeren Anlage oder in der Dämmung besser angelegt.
- Deutlich sinnvoll: Haushalt tagsüber leer, hoher Abendverbrauch, E-Auto vorhanden oder geplant.
- Sinnvoll: durchschnittliches Profil mit Wärmepumpe, weil die Abnahme über das Jahr verteilt ist.
- Eher nicht: kleiner Verbrauch, hoher Tagesanteil, kein zusätzlicher Verbraucher absehbar.
Nachrüsten statt zu groß kaufen
Viele Systeme lassen sich modular erweitern. Wenn unklar ist, ob in zwei Jahren ein E-Auto dazukommt, ist es oft besser, zunächst kleiner zu bauen und die Erweiterbarkeit zum Kriterium bei der Geräteauswahl zu machen.
Wichtig ist dabei die Frage, ob dieselben Module später noch lieferbar sind und ob sich alte und neue Module im selben Verbund betreiben lassen. Das klären wir vor der Auswahl und schreiben es ins Angebot.
Quellen
Gesetzeslage, Förderbedingungen und Vergütungssätze ändern sich. Maßgeblich sind die Veröffentlichungen der zuständigen Stellen zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung.